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5. März 2015

Lieber Selbständig

Warum die besten Nachwuchskräfte nicht angestellt arbeiten wollen

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Viele Unternehmen klagen über Fachkräftemangel, verharren aber gleichzeitig in bestehenden Strukturen. Warum junge Fachkräfte lieber den Weg in die Selbstständigkeit wagen.

Es passiert etwas in der Arbeitswelt. Viele Unternehmen beobachten mit Sorge, dass sich die Besten unter den junge Fachkräfte lieber selbständig machen als in eine klassische Karriere zu beginnen. Coworking Spaces boomen und allerorts entstehen die unterschiedlichsten Startups.

Tatsächlich bestätigt uns ein Blick in die Statistik, dass sich in Deutschland immer mehr Hochschulabsolventen selbständig machen. Mikrozensus weiß, dass wir unter ihnen den größten Anstieg an Selbständigkeit beobachten können.  Die Anzahl der Gründer unter ihnen hat sich seit 1991 mehr als verdoppelt (siehe Quelle).

Aber warum ist das so? Ist die Sicherheit eines festen Arbeitsplatzes nichts mehr wert? Spricht man mit jungen Gründern darüber warum sie sich selbständig gemacht haben statt erst einmal einige Jahre Erfahrung zu sammeln wiederholen sich die Antworten: Neben der Intention ihre Lebenszeit mit sinnvollen Dinge zu verbringen und etwas dauerhaftes zu schaffen, fühlen sich engagierte junge Fachkräfte in den starren Strukturen vieler etablierter Unternehmen nicht Zuhause. Zu viel Bürokratie, der Kreativität wenig förderliche Regeln und umständliche Entscheidungswege schrecken diejenigen ab, die sich engagieren wollen. Innovationen haben es schwer, in einem Umfeld in dem jede Entscheidung von etlichen Vorgesetzten bestätigt werden muss. Gerade die talentierten Absolventen gehen oft lieber das Risiko ein mit einer eigenen Idee zu scheitern, als ihre Kreativität zu unterdrücken.

Viele Unternehmen stehen dieser Entwicklung einigermaßen Hilflos gegenüber. Man beobachtet jedoch auch, dass die Googles dieser Welt trotz 14 Stunden Arbeitstage und anstrengenden Aufgabengebieten viel erfolgreicher um die gesuchten jungen Fachkräfte werben als man selbst. Hier gehen täglich hunderte Bewerbungen von hoch qualifizierten Fachkräften ein. Dadurch verschiebt sich die Recruiting-Arbeit weg von der zunehmend verzweifelten Suche nach geeigneten Mitarbeitern hin zur in der Selektion der Besten. Traumzustände für die meisten deutschen Unternehmen, vor allem im IT Umfeld.

So mancher versucht diesem Trend zu folgen. Allerdings passiert nur allzuoft der Fehler, Äußerlichkeiten zu kopieren, anstatt den erheblich komplizierteren internen Wandel voran zu treiben. So finden wir in konservativ ausgerichteten Unternehmen in welchen die Mitarbeiter in ein festes Arbeitszeitkorsett gezurrt sind und sie zur Anschaffung eines Laptops oder einer Webcam erst einmal lange Anträge schreiben müssen plötzlich bunt gestrichene Wände, Karussells und Ruderboote mit integrierten Arbeitsplätzen. Dieses Vorgehen, welches eine verspielte Einrichtung mit einer starren Geisteshaltung verbindet schafft bei Mitarbeitern und Bewerbern Dissonanzen die der Zusammenarbeit eher schaden als nützen. Also wieder kein Wohlfühlfaktor für High Potentials.

Die wesentlichen Bestandteile einer innovativen Unternehmenskultur sind unsichtbar und nicht leicht kopierbar. Es geht um eine Kultur des Vertrauens, die von den Mitarbeitern verlangt Verantwortung zu übernehmen und von Unternehmern Kontrollmechanismen abzubauen. Es ist eine offene Feedbackkultur, in der ein Azubi den CEO problemlos auf einen Fehler aufmerksam machen kann. Und nicht zuletzt ist es eine Neudefinition der gesamten Arbeitsweise, weg von der maximalen Effizienz der einzelnen Arbeitsschritte hin zu mehr Effektivität im gesamten Unternehmen – oder einfacher ausgedrückt: Es sollte mehr gesunden Menschenverstand und weniger Regeln geben. Für viele etablierte Unternehmen liegt ein solcher Wandel außerhalb ihres Vorstellungsvermögens.

Während große Unternehmen oft über das Kapital und den Weitblick verfügen die besten Startups zu kaufen um sich regelmäßig “aufzufrischen” und parallel ausgegliederte Innovationszentren aufbauen wird es für den traditionelleren Mittelstand kritischer. Ohne kreative Fachkräfte werden sich die jungen Unternehmen verstärkt gegen etabierte Konkurrenz durchsetzen. Strukturen, die engagierte junge Talente abschrecken lassen nicht nur die Belegschaft überaltern sondern bergen zudem das Risiko nicht dauerhaft am Markt bestehen zu können. Es ist also an der Zeit über tiefgreifende Veränderungen nachzudenken. Dann klappts auch mit den Fachkräften.

Quellen: http://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.391980.de/12-4-1.pdf

Veröffentlicht in Kooperation mit Nürnberg und So; Co-Autor Markus Wolf

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